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Experten bei landlive.de Pferde
1 Themen, Moderator: Susanne1, Redaktion_landlive, Moderator
Forum: Experten bei landlive.de Pferde
Ausschließlich für redaktionelle Experten-Aktionen

Eure Fragen zum Thema Hufpflege an die Expertin

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Keine Zugriffsrechte
Vielen Dank auch an Kiki Kaltwasser von der Europäischen Pferdeakademie (www.europaeische-pferdeakademie.de) für die fachliche Unterstützung.
Und ein dickes Daumendrücken an "unseren" Schmied, der jetzt mit seinem Hund in der Tierklinik sitzt und hofft, dass sein Labbi die Vergiftung überlebt....
Viele Grüße,
Katja & Quasar
www.pferde-text.de
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@ KatjaHinzberg #
KatjaHinzberg schrieb:

Gutes Hufhorn braucht viele Komponenten: Gutes Grundfutter, viel Raufutter, eine ausreichende aber nicht übermäßige Versorgung mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, eine gute und regelmäßige Hufbearbeitung und Bewegungsanreize auf verschiedenen Böden. Wenn das Pferd in der Vergangenheit wenig Freilauf hatte, kann das schon einer der Gründe sein, warum die Hufe ausbrechen.

Ein Beschlag mit Eisen hindert die Hornkapsel daran, sich bei jedem Auftreten und Abfußen auszudehnen und zusammen zu ziehen. Es fehlt ihm quasi die „Pumpe“, die die Nährstoffe normaler Weise bis in die kleinsten Kapillaren transportiert. Der Huf wird unterversorgt und zu wenig trainiert, denn Hufhorn bildet sich so, wie das Pferd es braucht – wenn man es denn lässt. Hinzu kommt die leider vielerorts noch vorherrschende Einstellung, dass der Schmied einmal im Quartal kommen muss – dieser Abstand ist jedoch viel zu lang. Die Hufe geraten zunehmend unter Druck und brechen aus. Mit Sicherheit hatte Ihr Pferd bezüglich der Hufe keinen guten Start in sein Reitpferdeleben, und Sie haben jetzt die Quittung  Ich finde es gut, dass Sie hier langfristig nach einer Lösung suchen und dafür auch bereit sind, eine zeitlang auf das Reiten zu verzichten. Das freut mich sehr für Ihr Pferd. Barhuf als Lösung ist zwar nicht der schnelle, bequeme Weg, hat aber durchaus das Potenzial, der langfristig beste zu sein. Ein Großteil der Pferde kann mit Hufschuhen als temporärem Schutz beim Reiten gut barhuf leben.

Hufschuhe sind für viele Pferde (die nicht drehen oder paddeln) eine gute Lösung. Als Zwischenschritt, um dem Pferd den Weg zum Barhufer zu erleichtern, könnten Sie über einen Kunststoff-Beschlag nachdenken. Je nach Produkt (z.B. Duplo) lässt ein solcher Beschlag ein Stückweit die Eigenmechanik des Hufes zu und trainiert ihn so, ist jedoch in sich stabil und schützt vor zuviel Belastungsschmerz in der Gewöhnungsphase. Mit modernen Kunststoffprodukten aus der Kartusche oder aus Granulat (z.B. von Vettec) lässt sich auch ein guter Tragrand- und Sohlenschutz herstellen, ohne dass genagelt werden muss. Ich würde auf jeden Fall darauf achten, dass das Pferd während der Umstellungsphase (die bis zu 1 Jahr dauern kann) keine Schmerzen leiden muss. Es sollte artgerecht leben können und Spaß am freien Laufen (auf der Weide) mit Artgenossen haben.

Ich habe den jetzigen Zustand der Hufe nicht gesehen. Wenn Ihr Schmied weichen Untergrund empfiehlt wird das sicher - vorläufig – einen guten Grund haben. Mittelfristig würde ich jedoch dem Huf das Training ermöglichen. Die Bewegung hilft dem Huf bei seiner Erneuerung, und die Gewöhnung an das neue Laufgefühl sollte dem Pferd ohne fordernden Menschen erlaubt sein. Das Horn wird entsprechend seiner Anforderungen wachsen, und wenn er nicht gefordert wird, wird sich auch kein verbessertes Wachstum einstellen. Vielleicht können Sie das Pferd in einigen Wochen auf einer trockenen, harten Weide, auf Asphalt oder runden Flußkieseln in Maßen bewegen. Groben Schotter sollten Sie meiden. Von Atcom Hufvital und vergleichbaren Produkten habe ich viel Gutes gehört – sie sind allerdings nicht billig und helfen erst, wenn sie über einen längeren Zeitraum zugefüttert werden. Kieselgur, Fermentgetreide und Bier- oder Frischhefe wären eine (günstigere?) Alternative. Meinem Pferd habe ich während der Umstellung auf Barhuf an den Hinterhufen die Hufe regelmäßig mit einem Hufhärter (z.B. von Keralit) eingepinselt. Manche halten das für unnütz, ich habe keinen Vergleich wie die Umstellung ohne dieses Hilfsmittel gelaufen wäre.


Vielen Dank für die informative und ausführliche Antwort. Heute habe ich endlich das Ergebnis des Blutbilds erfahren: Selenmangel. Ich soll jetzt täglich eine kleine Menge (pelletiert) zufüttern. Außerdem kann ich in zwei Wochen vorsichtig mit der Schrittarbeit beginnen – Bodenarbeit und kurze Strecken auf verschiedenen Böden (abgesehen natürlich von Schotter). Die Idee mit dem Keralit finde ich ebenfalls gut – es wurde bereits von mehreren Reitern empfohlen.
Wen nicht die Sehnsucht treibt, wer's nicht im Blute spürt,
der soll die Hand vom edlen Waidwerk lassen.
Denn was den Waidmann an der Seele rührt,
lässt sich nur fühlen, aber nicht in Worte fassen.
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@ elbkind #
elbkind schrieb:

Vielen Dank für die informative und ausführliche Antwort. Heute habe ich endlich das Ergebnis des Blutbilds erfahren: Selenmangel. Ich soll jetzt täglich eine kleine Menge (pelletiert) zufüttern. Außerdem kann ich in zwei Wochen vorsichtig mit der Schrittarbeit beginnen – Bodenarbeit und kurze Strecken auf verschiedenen Böden (abgesehen natürlich von Schotter). Die Idee mit dem Keralit finde ich ebenfalls gut – es wurde bereits von mehreren Reitern empfohlen.


Gern geschehen. Ich habe übrigens alle meine Fachbeiträge zum Thema Hufe in einem eBook zusammengefasst, das man für kleines Geld bei amazon kaufen kann. (eBooks kann man auch ohne spezielles Lesegerät am PC lesen, amazon bietet ein Programm zum kostenlosen Download an)
Viele Grüße,
Katja & Quasar
www.pferde-text.de
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@ Pfeiline #
Pfeiline schrieb:

Wie lerne ich einen 2jährigen dass er mir die hinteren Hufe problemlos gibt und nicht seitlich kickt, damit ich den Hufschmied problemlos überstehe?


Auch wenn die Frage NACH Abschluss der Aktion einging:
Bitte betrachten Sie das "Problem" ganzheitlich - es ist ein Lernthema. Ihr junges Pferd sollte in kurzen und kleinen Lerneinheiten lernen, geführt zu werden, angebunden still zu stehen, Hufe zu geben, Bögen zu laufen, stehen zu bleiben und wieder anzutreten... Es braucht erst einmal eine kleine Grundausbildung. Ohne die wird ihm auch das Verständnis und das Vertrauen fehlen, Ihnen die Hufe längere Zeit zu geben. Als Lauf- und Fluchttier ist es darauf angewiesen, seine Hufe frei bewegen zu können, und es muss für Sie diesen Instinkt überwinden. Das ist für ein junges Pferd eine richtige Aufgabe.

Hinzu kommen sicherlich Balance-Schwierigkeiten. Ihr Pferd zieht den Huf nicht weg oder kickt, weil es böse ist, sondern weil es fürchtet, das Gleichgewicht zu verlieren. Bögen laufen, durch Stangen hindurch gehen, im Wald über Äste kraxeln, Dualaktivierung oder die Körperbandage nach Tellington-Jones helfen dem Pferd, seine Balance deutlich zu verbessern. Aber bitte immer nur ein paar Minuten - Ihr Pferd ist ja noch ein "Kind".

Üben Sie das Hufegeben in ganz kurzen Lerneinheiten. Um sich selbst zu schützen, können Sie den Huf mit etwas Abstand mithilfe eines weichen Seils aufnehmen statt mit der Hand. Der Schmied sollte dann den Huf nicht zu hoch aufnehmen und zu weit seitlich heraus ziehen. Vielleicht kann er mit einem Hufbock arbeiten oder im Knien, und sich den zu bearbeitenden Huf aufs Knie legen. Binden Sie das Pferd nicht fest sondern lassen Sie es von einem erfahrenen Menschen halten, der nachgibt wenn es sich mit dem Hals balancieren möchte, aber hält, wenn es "zickt". Oft hilft es auch, das Pferd an einer massiven Wand zu parken, die ihm optischen und vielleicht sogar körperlichen Halt gibt.

Bitte denken Sie bei allem was Sie tun daran, dass Sie hier mit einem jungen, unerfahrenen Pferd arbeiten, und durch geduldiges, aber konsequentes Verhalten den Grundstein legen für eine harmonische Zukunft.
Viele Grüße,
Katja & Quasar
www.pferde-text.de
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Bitte beachten - diese Aktion ist abgeschlossen! Bitte keine neuen Anfragen mehr einstellen!

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Katja Hinzberg für Ihren Einsatz!
Alles ist richtig, auch das Gegenteil - Tucholsky
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@ KatjaHinzberg #
Unser Franz unser Kleiner ist er nicht süß
KatjaHinzberg schrieb:

Auch wenn die Frage NACH Abschluss der Aktion einging:
Bitte betrachten Sie das "Problem" ganzheitlich - es ist ein Lernthema. Ihr junges Pferd sollte in kurzen und kleinen Lerneinheiten lernen, geführt zu werden, angebunden still zu stehen, Hufe zu geben, Bögen zu laufen, stehen zu bleiben und wieder anzutreten... Es braucht erst einmal eine kleine Grundausbildung. Ohne die wird ihm auch das Verständnis und das Vertrauen fehlen, Ihnen die Hufe längere Zeit zu geben. Als Lauf- und Fluchttier ist es darauf angewiesen, seine Hufe frei bewegen zu können, und es muss für Sie diesen Instinkt überwinden. Das ist für ein junges Pferd eine richtige Aufgabe.

Hinzu kommen sicherlich Balance-Schwierigkeiten. Ihr Pferd zieht den Huf nicht weg oder kickt, weil es böse ist, sondern weil es fürchtet, das Gleichgewicht zu verlieren. Bögen laufen, durch Stangen hindurch gehen, im Wald über Äste kraxeln, Dualaktivierung oder die Körperbandage nach Tellington-Jones helfen dem Pferd, seine Balance deutlich zu verbessern. Aber bitte immer nur ein paar Minuten - Ihr Pferd ist ja noch ein "Kind".

Üben Sie das Hufegeben in ganz kurzen Lerneinheiten. Um sich selbst zu schützen, können Sie den Huf mit etwas Abstand mithilfe eines weichen Seils aufnehmen statt mit der Hand. Der Schmied sollte dann den Huf nicht zu hoch aufnehmen und zu weit seitlich heraus ziehen. Vielleicht kann er mit einem Hufbock arbeiten oder im Knien, und sich den zu bearbeitenden Huf aufs Knie legen. Binden Sie das Pferd nicht fest sondern lassen Sie es von einem erfahrenen Menschen halten, der nachgibt wenn es sich mit dem Hals balancieren möchte, aber hält, wenn es "zickt". Oft hilft es auch, das Pferd an einer massiven Wand zu parken, die ihm optischen und vielleicht sogar körperlichen Halt gibt.

Bitte denken Sie bei allem was Sie tun daran, dass Sie hier mit einem jungen, unerfahrenen Pferd arbeiten, und durch geduldiges, aber konsequentes Verhalten den Grundstein legen für eine harmonische Zukunft.

Vielen herzlichen Dank für den informativen Beitrag. Er ist ja obermegalieb und mit viel Geduld werden wir dass sicherlich hinkriegen
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@ KatjaHinzberg #
Prima, danke! Wir sind an der Schultergymnastik, dort sitzen tatsächlich einige Problemchen immer mal wieder fest. Die Tendenz "langsam umstellen" und die schrägere Wand etwas schwächen hatte ich im Hinterkopf und wir werden in der Richtung dran bleiben,

Danke nochmal!
nordisch & Sjoerd
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