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Zahn um Zahn: Foto zum aktuellsten Blogbeitrag
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19.08.2011, 12.17 Uhr

Zahn um Zahn

Gesundheit Das Kompetenzgerangel zwischen Tierärzten und Dentalpraktikern ist auch ein Kampf um Marktanteile. Der Blick ins Maul gilt als lukrativ, der Pferdehalter bleibt indes häufig ratlos.

Was die Zahnpflege bei Pferden anbelangt, herrscht in Bayern regelrechter Notstand. Den Eindruck kann man gewinnen, wenn man dem Veterinär Dr. Reinhard Pfannhauser Glauben schenkt. „Viele Kollegen schrubbeln doch nur am Gebiss rum“, grantelt der Zahnspezialist aus Rosenheim. Gerade mal zehn gute Pferdedentisten gäbe es im Freistaat.

Diese Prognose hält man anderer Stelle für zu hoch gegriffen. Bei Internationalen Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne (IGFP), Gelsenkirchen, die sich der Pferdezahngesundheit verschrieben hat, hält man die meisten Veterinäre hinter vorgehaltener Hand für „völlig unqualifiziert“, wenn es um die Maulhöhle geht. Für Qualifizierungswillige bietet die IGFP deshalb eine dreitägige Prüfung zum Pferdedental-Praktiker an. „Rund 40 % der Prüflinge fallen hier durch“, heißt es. Und 80 % davon seien Tierärzte.

Und: „Der Bereich Pferdezähne spielt im Veterinär-Studium so gut wie keine Rolle“, wird hier beklagt. Gerade mal sechs Stunden beschäftige sich der angehende Veterinär in seinem Studium mit den Kauwerkzeugen. Fortbildung tut also not, was auch jemand wie Reinhard Pfannhauser fordert.

Offiziell will man bei der IGFP jedoch keine Stellung beziehen. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden Souel Maleh, Tierarzt und Pferdedentalpraktiker im hessischen Mühltal, zog dieser seine Aussagen zurück, nachdem ihm die Redaktion die entsprechenden Textpassagen nochmals vorgelegt hatte. „Ihre Ausarbeitung unseres Gespräches sind für meine Empfindungen zu reißerisch und helfen damit in keinster Weise, die Akzeptanz nichttierärztlicher Pferdedentalpraktiker nach IGFP zu fördern.

Langfristig sind wir an einer Zusammenarbeit mit Tierärzten interessiert und diese Zitate tragen dazu in keinster Weise bei, sondern sie verschärfen nur dogmatische Vorurteile“, begründete Maleh unter Androhung rechtlicher Schritte („Bei Zuwiderhandlung gegen meine Nichteinwilligung“) seinen Rückzieher gegenüber BAYERNS PFERDE. Das ist umso erstaunlicher, weil der Verein ins einer Satzung als Ziel unter anderem „Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von Information der Öffentlichkeit, z.B. in Form von Unterhaltung einer Webpage, Publikationen, Seminaren etc.“ stehen hat (siehe Kommentar).

Fakt ist: In Deutschland darf jeder Tierarzt Pferdezähne behandeln, so er sich dazu in der Lage sieht, wie Axel Stoltenhoff, Geschäftsführer der Bayerischen Landestierärztekammer (BLTK) , München, bestätigt. Wer mit der Zusatzbezeichnung „Zahnheilkunde“ werben will, muss laut Weiterbildungsordnung eine Fortbildung über einen Zeitraum von vier Jahren mit anschließender Prüfung absolvieren.

Voraussetzung, um im Pferdemaul etwa Wolfszähne zu ziehen oder Backen- und Schneidezähne zu korrigieren, ist das allerdings nicht. Man muss dafür ja nicht mal Tierarzt sein.

„Wer nichts kann, macht halt Zähne“

Knapp 100.000 Pferde gibt es aktuell in Bayern, Tendenz steigend. Und die Sensibilität der Pferdebesitzer in Sachen Zahnpflege nimmt zu, wie die meisten Veterinäre bestätigen. Fast ganz nebenbei hat sich hier in den vergangenen Jahren ein lukrativer Markt entwickelt, auf dem sich jede Menge Spezialisten tummeln – und solche, die sich dafür halten. In Tierarztkreisen wird denn auch gern gespöttelt: „Wenn du nichts kannst, dann mach halt Zähne.“

Hinzu kommt, dass das Pferdegebiss eine „sichere und stete Einnahmequelle“ garantiert, wie eine Münchner Tierärztin, die namentlich nicht genannt werden will, erzählt. „Ein Pferd lahmt in der Regel nur selten. Aber Zähne müssen regelmäßig kontrolliert werden. Da lässt sich ganz gut dran verdienen.“ Vieles hält sie inzwischen für übertrieben:

„Nicht jede Zahnbehandlung ist immer nachvollziehbar.“ Dr. Franz Beck, Veterinär aus Wolfratshausen, ist sich sicher: „Das tummeln sich jede Menge Halbqualifizierte auf dem Markt.“ Anders ausgedrückt: Hier wird auch richtig abgezockt. Was die Spezialisierung auf Zahnbehandlungen für Tierärzte außerdem attraktiv macht: Es gibt geregelte Arbeitszeiten und selten Notfälle.
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Volker Camehn, Redaktion Bayerns Pferde

Den gesamten Artikel könnt ihr unter Bayerns Pferde.de lesen.

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Redaktion_BayernsPferde

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Alter: 48 Jahre,
aus München

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