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Streifenhaken
343 mal angesehen
06.08.2010, 19.41 Uhr

RETTET DIE RÜCKEPFERDE / TEIL 2

Rücken für Einsteiger

Das Holzrücken ist neben der Frage nach den zur Verfügung stehenden Geräten stets auch eine des Geländes und der Dimension der einzelnen Stämme (Stückmasse), die man bringen möchte. Dementsprechend wird von Starkholz oder Schwachholz gesprochen.

Es liegt auf der Hand, daß man in früheren Zeiten, als es die großen Maschinen noch nicht gab, notgedrungen stärker Rücksicht auf die Naturgegebenheiten nehmen mußte, woraus sich regional sehr verschiedene und auch einfallsreiche Methoden entwickelten. Im Gebirge wurde viel von Hand gearbeitet und selbstverständlich bergab gezogen. Den Schnee nutzte man, und, wo immer es möglich war, auch das Wasser, die sogenannte Trift. Rutschbahnen, wie sie früher aus Holz konstruiert eingesetzt wurden, findet man noch heute, wenn auch aus Plastik, in einschlägigen Katalogen, wie auch die Sappie, ein schnabelähnlich geformtes Hakenwerkzeug zum Manövrieren von Holzstämmen, gibt es noch zu kaufen.

Zugtiere können allerdings auch in Hanglagen hineingehen, sind diese aber sehr steil, dann tritt die Gefahr auf, dass die Last das Tier überholt und es mit sich reißt. Um dem vorzubeugen, gibt es den Streifenhaken (siehe Blogfoto, wird durch Draufklicken vergrößert ), ein Haken, der eine ganz spezielle Form hat und vom Holzrücker in das Holz eingeschlagen wird. Sobald der Stamm vorauseilen will, kehrt sich die Zugrichtung um, wodurch der Streifenhaken sich selbstständig wieder herauszieht.

Da der Streifenhaken sich sehr schnell anbringen und wieder lösen lässt, ist er auch im Flachland ein effektives und vor allem zeitsparendes Werkzeug. Von Nachteil ist, dass er das Holz beschädigen kann, wenn er zu tief an der falschen Stelle eingeschlagen wird, sofern es sich um Holz handelt, welches für Tischlerzwecke gedacht ist. Manche mögen auch nicht gerne die kleine Axt bei der Arbeit tragen, die man braucht, um die Haken ein- und auszuschlagen, obwohl dieselbe auch zum abtrennen vergessener Äste sehr nützlich sein kann.

Das kombinierte Verfahren

Als kombiniertes Verfahren bezeichnet man die Zusammenarbeit von Pferden und Maschinen. Dieses arbeitsteilige Verfahren nutzt die jeweilig speziellen Stärken von Pferden und Maschinen zu einem recht effektiven Holzbringungsverfahren. Solche Arbeitsmethoden werden derzeit von der IGZ (Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. [www.ig-zugpferde.de] ) wieder propagiert, siehe Kölner und Wittgensteiner Verfahren.

Der besseren Übersicht wegen teilen wir den Weg des Holzes vom Standort im Wald bis zum Sägewerk in verschiedene Abschnitte ein, und nutzen die Gelegenheit, die entsprechenden Fachbegriffe anzubringen. So könnte vor Jahren eine Ernte von schwachem bis mittelstarkem Holz irgendwo in Deutschland ausgesehen haben, sofern eben noch Pferde als Alternative zur Seilwinde mit von der Partie waren:

Altersklassenwald
Im Wald stehen Fichten, Nadelholzbestand
die alle etwa gleich alt sind.

Durchforstung
Damit die Bäume sich nicht
gegenseitig das Licht wegnehmen
soll ein Teil gefällt werden.

Holz wird ausgezeichnet
Ein Forstbeamter macht einen
Farbpunkt auf die ausgewählten
Bäume.

Z-Bäume (Zielbäume)
Die Bäume, die besonders wertvoll
zu werden versprechen, werden
extra mit einem dauerhaften Zeichen
markiert und heute nicht gefällt.

Motor-manueller Hieb
Der Baum wird mit der Motorsäge
gefällt.

aufgeastet
Die Äste werden abgesägt

6 m Abschnitte
Er wird in Stücke gesägt Stammabschnitte
die 6 Meter lang sind,

gezopft
oder nur die Spitze abgeschnitten,
wobei die Stämme fast in ihrer in voller Länge
ganzen Länge bestehen bleiben. ausgehaltenes Stammholz

vorgeliefert
Die Stammstücke werden mit einem an die Rückegasse
Pferd bis zu einem Waldweg gezogen.

Fällordnung
Beim Fällen wurde darauf geachtet, dass die langen Stämme mit dem
Stammfuß in schräger Richtung dickörtig zur Gasse
zum Waldweg liegen.

30 m Rückeweg
Bis zum Waldweg sind es Vorlieferentfernung
etwa 30 Meter Entfernung.

Polterplatz
Dort liegen schon andere Stämme, vorkonzentriert
die von einer Forstmaschine noch
etwa 100 bis 500 Meter mehrere endgerückt zum
auf einmal bis zu einem
Sammelplatz gebracht werden.

poltern
Die gleiche Maschine legt oder
schiebt die Stämme auf einen
größeren Haufen.

Abtransport
Ein großer Lastwagen holt den
Holzhaufen ab.

Auf der Basis des oben geschilderten Systems schien sich vor etwa 25 Jahren eine Renaissance der Pferdearbeit im deutschen Wald anzubahnen, daraus wurde aber dann doch nichts, denn in Skandinavien hatte man damals bereits den Vollernter entwickelt, eine Maschine, die mit langem Arm hydraulisch die Bäume in Windeseile fällt, entastet und ablängt (Prozessor).

Da nun die Leistung und insbesondere die Reichweite schnell gesteigert wurde, konnte man mit einem engen Gassenabstand riesige Mengen in kürzester Zeit ernten und wenn diese Gassen erst einmal im Wald sind, dann braucht man lediglich mit einem Greiferfahrzeug hinter dem Prozessor herzufahren und die Stammabschnitte aufzuladen.
Der Einsatz von Pferden zum Holzrücken wäre hier, vom verfahrenstechnischen Standpunkt, ungefähr so sinnvoll, wie die Benutzung des Morsealphabets im Internet. Im derart ruinierten Wald erübrigt sich der Pferdeeinsatz von selbst - Ernteautomat und Pferd passen schlecht zusammen.

Effektivität

Trotzdem kann sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen. Wenn eine ca. 9 Tonnen schwere Maschine Stammabschnitte von einem Gewicht von etwa 100 Kilo hebt, also ein Eigengewicht- zu Nutzlastverhältnis von 90 zu 1 ! Da sieht ein Pferd, welches die gleiche Last bei einem Eigengewicht von 700 Kilo zieht, mit einem Verhältnis 7 zu 1 schon wesentlich besser proportioniert aus.

Handwerk Holzrücken mit Pferden


Das rein handwerkliche Know-how beim Holzrücken mit Pferden ist recht einfach - darum hat sich dieses Gewerbe auch nie zu einem Lehrberuf entwickelt.

Natürlich gibt es verschiedene Geschirre und ein paar Kniffe, die man kennen sollte – aber es wäre doch eine Anmaßung, dieses mit dem Wissen z.B. eines Zimmermanns oder gar eines Tischlers zu vergleichen. Trotzdem hat die Tätigkeit einen großen Reiz und ist dafür in ganz anderer Beziehung um so anspruchsvoller: Die Kommunikation mit den Pferden ist sehr entscheidend für die Effektivität der Arbeit, womit ein Holz-Pferderücker, sofern er seine Arbeit ernsthaft und mit Liebe betreibt, zum regelrechten Tierpsychologen werden kann

Pferdetechnik heute


Wie bereits erwähnt, ist die Technik des Holzrückens mit Pferden auch heute noch keine Hightech-Angelegenheit, sondern das einfache Rücken mit der Kettenschlinge und am Boden geschleiften Holzstamm immer noch die Grundlage. Dennoch gibt es für spezielle Fälle neu entwickelte Vorrichtungen, welche die heutigen technischen Möglichkeiten für Verbesserungen zu nutzen versuchen. Das Bestreben liegt darin, die Zugwiderstände zu verringern. Neben Schlittenkufen im Winter bietet sich natürlich das Rad an.
Um den Stamm mit Hilfe von Rädern aus dem Wald zu ziehen, gibt es zwei Haupthindernisse, die gelöst werden müssen.

1. Der Verladevorgang muss schnell gehen
2. Die Wendigkeit des Gefährtes muss hoch sein

Mit den traditionellen Pferdewagen ist hier wenig auszurichten, es gibt aber eine Neuentwicklung, die beide Vorgaben erfüllt, indem eine zweirädrige Karre mit Achsschenkellenkung, Stummeldeichsel, Kettenzug, Packzange, Ladegalgen und Gleitkufen diese wesentlichen Vorgaben in praxistauglicher Weise erfüllt und sogar noch den zusätzlichen Vorteil entfallender Anspannzeiten bietet.

Dieser Rückewagen ist in Situationen, in denen relativ schweres Holz über größere Entfernung gezogen werden soll, besonders effektiv, weil dann die zusätzliche Zeit für das Beladen und Rangieren des Wagens durch den Gewinn beim Lastrücken wettgemacht wird und der geringere Zugwiderstand die Kräfte der Tiere schont (bis 50% Ersparnis). Außerdem bleibt das Holz sauber, was in Kombination mit fahrbaren Sägewerken ein geschätzter Vorteil ist.

Info zu Rückewagenmodellen: [www.ig-zugpferde.de]

Absehbare Zukunft

Zur Zeit rückt durch die Ölpreissituation das Brennholz wieder mehr in den Blickpunkt. Hier könnten sich neue Chancen für den Einsatz von Arbeitspferden bieten, weil damit schon bei geringem Anfangskapital beachtliche Leistungen erzielt werden können und eine gewisse Chance der Direktvermarktung besteht. Dennoch sollte man sich keine Illusionen über die Motivation dieses neuen Kundenkreises machen, denn wenn es nur darum geht, den Kosten des Ölpreises auszuweichen, dann kann man darauf gefasst sein, bald auch auf diesem Gebiet perfekten Maschinen gegenüberzustehen, die den Preis bestimmen.
Vollernter können am Tag ungefähr 10 bis 20 mal soviel Ernten wie im oben beschriebenen motormanuellen Verfahren. Es ist sinnlos, auf diesem Gebiet rein über die Massenleistung konkurrieren zu wollen.
Die Entscheidung zugunsten der Naturwesen Pferde scheint auf absehbare Zeit eine Bewusstseinsfrage zu bleiben.

Adressenliste der Pferderücker in Deutschland

[www.ig-zugpferde.de]

weitere Info zu Pferdeeinsatz in Land- und Forstwirtschaft:

[www.kooperative-pferde.de]

Schlagwörter

zugpferd georg

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

15.08.2010 21:46 Lisi
Super Beitrag! Gefällt mir sehr gut!
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