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Hufpflege
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11.06.2010, 13.37 Uhr

Praxis - Welcher Beschlag für welche Sparte?

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Nutzung unserer Pferde gibt es mittlerweile eine Vielzahl verschiedener Beschläge und Beschlagsformen. Der Handel bietet über 750 verschiedene Hufeisen an, ohne die alternativen Klebeschuhe oder Boots.

Aber eines hat sich nicht geändert: Die Anatomie des Pferdes! So sind das gesamte Exterieur und die Gliedmaßenstellungen bei dem Beschlag eines Pferdes immer besonders zu beurteilen und zu beachten. Überdies sind der Ausbildungsstand und das Alter wesentliche Aspekte für die Auswahl des Beschlages.

Es macht einen Unterschied, ob ein junges, nicht ausbalanciertes, oder ein trainiertes und erfahrenes Pferd zu beschlagen ist. Je nach Verwendungszweck (Freizeit, Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren) kann die gesamte Bandbreite der Beschlagsformen variieren.


Freizeitpferde

Für Freizeitpferde gibt es keinen speziellen Beschlag, denn aufgrund der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten ist hier die oberste Maxime: Hufgesundheit und Zweckmäßigkeit! Die komplette Bandbreite des Hufschutzes ist möglich: vom Barhuf über den Hufschuh bis zum modernen Kombinationsbeschlag oder dem klassischen Eisenbeschlag. Das Pferd soll möglichst komfortabel laufen können, damit es gesund bis in das hohe Alter geritten oder gefahren werden kann.

So kann das Freizeitpferd saisonbedingt und je nach Intensität der Nutzung mit oder ohne Hufschutz auskommen. Natürlich gilt das auch für alle anderen Pferde, aber im Turniersport gibt es durch die vielen Hallenturniere mittlerweile kaum noch einen Unterschied zwischen Sommer- und Wintersaison.


Dressurpferde

Bei dieser Disziplin werden vor allem Takt und Reinheit der Gänge bewertet, deshalb ist es besonders wichtig, dass diese durch einen Beschlag nicht gestört, sondern eher noch gefördert werden. Ein leichtes Abrollen mit der Zehe nach der Stützphase ist genau so wichtig wie ein Verhindern von zu tiefem Absinken der Trachten im Reitboden. Dies erreicht man mit einer guten Zehenwinkelung und Zehenrichtung, zum anderen mit genügend langen Schenkelenden am Hufeisen.

Die Hufeisen sollen am Vorderhuf etwa so lang sein, dass sie die Hufe um acht bis zehn Millimeter überragen. Hinten, wo keine Greifgefahr besteht, sollen sie mit den Ballenenden abschließen, um möglichst viel Unterstützung zu geben. Ein gut ausgeführter Beschlag ist auch immer Gesundheitsprophylaxe. Durch entsprechenden Beschlag kann der Bewegungsablauf geringfügig verändert werden. Beispielsweise kann man einen sehr flachen Bewegungsablauf mit etwas schwereren Eisen verbessern.

Bei Pferden, die zu aufwendig traben, können Aluminium-, Titan- oder Kunststoff­beschläge Verbesserungen bringen. Solche Veränderungen dürfen jedoch nur sehr maßvoll vorgenommen werden, weil sonst durch die veränderte Gangdynamik Schäden an Bändern und Gelenken entstehen können.


Springpferde

Bei den Springpferden stehen andere Schwerpunkte im Vordergrund. Hier wird nicht der schöne und ausdrucksvolle starke Trab bewertet, im Mittelpunkt stehen Trittsicherheit und Geschwindigkeit. Wenn es darum geht, im Stechen möglichst schnell und ohne großes Risiko für das Pferd ins Ziel zu gelangen, so wird das in aller Regel durch Schraubstollen erreicht.

Unsere international erfolgreichen Springreiter haben oft drei oder vier Stollen in jedes Hufeisen eingeschraubt, je nach Bodenbeschaffenheit. Ich persönlich halte das für bedenklich, insbesondere, wenn das von nicht so erfahrenen Reitern nachgeahmt wird. Warum? Man muss sich vorstellen, dass sich der Fuß durch die Stollen fest im Boden verankert (man sieht das besonders gut bei Fernseh- oder Videoaufzeichnungen). Aber wohin werden die entstehenden Kräfte umgeleitet?

Sehr große Belastungen wirken auf die Gelenkflächen und den Sehnenapparat. Deshalb hat jeder Reiter abzuwägen, ob er lieber die eine oder andere Platzierung möchte, oder aber ein über Jahre hinweg einsatzfähiges Pferd. Ich will hiermit nicht den sicherlich wichtigen Gleitschutz in Frage stellen, aber man muss den Gebrauch von Stollen immer auch von Sinn und Nutzen abhängig machen.


Gang- und Rennpferde

Mit Hilfe des Beschlags kann man bei den Gang- und Rennpferden versuchen, eine optimale Balance des Pferdes zu erreichen, um den Gang, sei es Trab, Galopp, Tölt oder Rennpass, so sauber und ausdrucksstark wie möglich erscheinen zu lassen. Grenzen in der Ausführung des Beschlages sind durch das Regelwerk der Pferdesportverbände und durch das Tierschutzgesetz vorgegeben - und das ist auch gut so.

Denn überall, wo Menschen am Sport beteiligt sind, versuchen sie, an das Limit des Möglichen zu gehen. Da im Reitsport Lebewesen (die Pferde) betroffen sind, gilt es, sie vor dem Ehrgeiz der Menschen zu schützen. Dies trifft natürlich für alle Reitsportdisziplinen zu.


Westernpferde

Hier unterscheiden wir die Hauptkategorien: Pleasure, Reining, Cutting und Trail. Die besonderen Ansprüche ergeben sich durch die Anforderungen in den verschiedenen Disziplinen. So benötigen wir bei einem Cutting-Pferd einen Hufschutz, der sehr griffig ist, aber das Pferd dennoch nicht verletzen kann. Auch soll er relativ leicht sein, um die schnellen Reaktionen des Pferdes bei der Arbeit am Rind nicht zu verzögern.

Bei dem Reining-Pferd wird immer sehr stark auf die Sliding-Eisen geschaut und viel hineininterpretiert. Meiner Meinung nach zu viel. Entweder ist ein Pferd aufgrund seiner körperlichen Verfassung zu einer Leistung imstande, oder nicht.

Man kann aus einem Trabbi kein Formel 1-Auto machen, bloß weil man Rennreifen montiert. Ist das Fahrgestell eines Trabbis verschlissen, kommt es auf den Schrott. Was passiert mit dem „Sportpartner“ Pferd?

Autor: Uwe Lukas, der sich in seinem Buch noch umfassender mit dieser Thematik beschäftigt:

[www.fnverlag.de]

Den kompletten Arikel könnt ihr auf der Onlineseite von Pferdeforum nachlesen:

[www.pferdeforum-online.de]


Eure Erfahrungen und Fragen dazu stellt im Forum der Pferde-Community:

[www.landlive.de]

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Redaktion_Pferdeforum

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